Darja Kharlauta (geb. 1987, Russland) ist eine zeitgenössische Künstlerin, deren Werke an der Schnittstelle von Malerei und Objekt stehen. Ihre Praxis basiert auf einer einzigartigen Methode, die sie über fünfzehn Jahre entwickelt hat: die „mentale Archäologie“ – eine spekulative Erforschung kultureller Schichten, in der alte mythologische Systeme, Traditionen und die sensorische Sprache des digitalen Zeitalters an einem Punkt zusammenlaufen.
Die künstlerische Entwicklung wurzelt in einer seltenen Synthese aus akademischer Strenge und Feldforschung. Nach ihrem Bachelorabschluss in Ateliermalerei an der RSPU namens Herzen in Sankt Petersburg (2009) verbrachte sie sechs Jahre mit der Teilnahme an archäologisch-ethnografischen Expeditionen in der Arktis und Skandinavien (2009–2015). Dieses Eintauchen in extreme Landschaften und alte Kulturen prägte grundlegend ihr Verständnis von Materialität, Zeit und der Beständigkeit von Mythos – Elemente, die ihre Arbeit bis heute nähren.
Im Laufe ihrer Karriere hat Kharlauta über 400 Werke geschaffen und 13 Einzelausstellungen veranstaltet. Ihre Arbeiten wurden auf mehr als 70 Gruppenausstellungen weltweit präsentiert, darunter in Russland, Tschechien, Großbritannien, Italien und Israel. Ihre Werke befinden sich in privaten Sammlungen in diesen Ländern sowie in der Dauerausstellung des Offenen Museums W.A. Noskin in Sankt Petersburg („Flamme, Asche und Schnee“, 2021).
Ein zentrales Konzept im künstlerischen Vokabular der Künstlerin ist der Begriff des „hybriden Artefakts“ – Werke, die an der Grenze zwischen archaischem Ritual und Ästhetik des Postanthropozäns existieren. Diese Arbeiten zeichnen sich durch vielschichtige Texturen, die Einbeziehung natürlicher Materialien (mineralische Pigmente, Holz, Bronze) und einen Dialog zwischen Handwerklichem und Technologischem (Airbrush, Gravur, Polymere) aus. Ihre Methode, die sie „sensorische Alchemie“ nennt, übersetzt komplexe multisensorische Erfahrungen in eine greifbare Form und lädt den Betrachter zu einem Dialog ein, der über die rein visuelle Wahrnehmung hinausgeht.
Die aktuelle Serie „Schlaf am Vorabend des Frühlings“ vertieft diese Erforschung, indem sie malerische Leinwände und Objekte schafft, die als materielle Zeugen der Begegnung von tiefgründiger Zeit und technologischer Gegenwart fungieren. Ihre Arbeiten greifen aktuelle zeitgenössische Diskurse auf – Gedanken zum Postanthropozän, zur außermenschlichen Handlungsfähigkeit und zur Suche nach neuen Spiritualitäten – und bewahren dabei eine strenge Verpflichtung zu handwerklicher Materialität und formaler Integrität.